Praktikum – die ideale Vorbereitung auf das Berufsleben

Studiert man die Stellenanzeigen, so findet man fast immer neben den verlangten fachlichen Qualifikationen die Forderung nach praktischer Erfahrung. Dies ist u. a. auch ein Grund dafür, dass die Schüler der dreijährigen Berufsfachschule im letzten Ausbildungsjahr ein mindestens 20-wöchiges Praktikum absolvieren müssen. In diesem sollen sowohl die theoretisch erworbenen Kenntnisse als auch das praxisnah erlernte Wissen angewandt und vertieft werden.

 

Gestaltung des Praktikums

Das Praktikum ist als Blockpraktikum organisiert. Die Schüler sind im jeweiligen Zeitraum ausschließlich in der Firma tätig. Da für sie aber weiter ihr Schülerstatus gilt bedeutet das, dass die Firma keine Sozialversicherungsabgaben für sie entrichten muss. Bis einschließlich Schuljahr 2001/2002 war dieses Praktikum in zwei etwa gleich große Zeitfenster aufgeteilt: Von August/September bis Dezember und Mai bis Schuljahresende konnte jeder seine 20 Wochen Praktikum in einer oder zwei Firmen einbringen. Die Zeit dazwischen wurde in der Schule gebüffelt. Ab dem Schuljahr 2002/2003 wurde diese Aufteilung geändert. Im ersten Halbjahr (September bis Februar) findet seither regulärer Unterricht statt, während das gesamte zweite Halbjahr als Praktikum in einer Firma verbracht wird. Dies hat den Vorteil, dass die Schüler das komplette Wissen der schulischen Ausbildung der Jahrgangsstufe 12 mit in ihr Praktikum nehmen. Unterbrochen wird der letzte Ausbildungsabschnitt im Mai durch die schriftliche IHK-Prüfung und im Juni bzw. Juli durch den Prüfungsteil A, die betriebliche Projektarbeit. Während der Zeit des Praktikums halten die Praktikumsbetreuer Kontakt zu den Schülern und Betrieben.

Seit Einführung der neuen IT-Berufe im Jahre 1999 an der Berufsfachschule muss im Praktikum ein Projekt erstellt werden. Dieses hat je nach Ausbildungsrichtung einen unterschiedlichen Umfang. Für die Fachinformatiker Anwendungsentwicklung (FI AE) umfasst die Projektarbeit einen Zeitraum von 70 Stunden, während die Informatikkaufleute (IK) 35 Stunden darauf verwenden sollen. Die Präsentation dieses Projekts ist Gegenstand der Bewertung durch die IHK-Prüfungskommission im Prüfungsteil A.

 

Welche Betriebe können Praktikanten nehmen?

Laut Prüfungsordnung ist das Praktikum in einem „überwiegend kaufmännisch orientierten" Betrieb abzuleisten. Aufgrund dieses dehnbaren Begriffs erstreckt sich das Spektrum der Betriebe auf fast alle Branchen, angefangen vom Industriebetrieb über Banken, Softwarehäusern bis hin zu Krankenhäusern. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Firmen ausbilden dürfen. Die EDV-Schulen haben mittlerweile bereits über 200 Firmen, die Praktikanten wollen.

 

Wie bekommt man eine Praktikumsstelle?

Unsere Schüler bewerben sich selbst bei Firmen ihrer Wahl. Als Hilfe bekommen Sie von der Schule eine Adressenliste mit Firmen, die Praktikanten wollen. Natürlich kann sich ein Schüler auch bei anderen Firmen bewerben. Häufig spielt bei der Firmenwahl die Entfernung zum Wohnort eine nicht unerhebliche Rolle. Aber es gibt auch Schüler, die sehr flexibel sind und sich Firmen außerhalb Bayerns bzw. Deutschlands suchen.

 

Wie sollte das Praktikum ablaufen?

Wenn möglich soll der Praktikant an einem Arbeitsplatz bzw. einem einzigen Bereich eingesetzt werden. Es soll nicht das Kennenlernen der verschiedenen Abteilungen im Vordergrund stehen, sondern das Einarbeiten in konkrete Aufgabenstellungen. Ideal ist ein funktionsübergreifender Einsatz, der in einer Funktionsstelle jedoch in die Tiefe gehen sollte, im betrieblichen Bereich und/oder in der Softwareentwicklung. Eine Einbindung in ein Projekt kann ferner Aufschlüsse darüber geben, wie der Praktikant mit Teamarbeit, Belastbarkeit oder Zeitdruck zurechtkommt. Natürlich soll ein Ansprechpartner (Betreuer für die Praktikumszeit) im selben Bereich tätig sein.

 

Warum sind unsere Praktikanten so begehrt?

Aufgrund ihrer fundierten, zeitgemäßen und überwiegend praktisch orientierten Ausbildung sowohl im Bereich IT als auch in Betriebswirtschaftslehre sind sie relativ schnell in der Praktikumsfirma vielseitig einsetzbar. Da sie in diesen Bereichen up to date sind, versuchen sie oft, ihre eigenen Ideen einzubringen. Dieser frische Wind kommt bei vielen Firmen gut an. Anforderungen an eine Stellenausschreibung können in einem Bewerbungsgespräch oft nur unzureichend überprüft werden, z. B. die Frage, ob der Bewerber in das Team passt, da heute mehr Teamarbeiter als Tüftler gefragt sind. Durch ein Praktikum kann sich die Firma ein ausführliches Bild über die betreffende Person machen. Somit kann ein Praktikum - die erste Arbeitsprobe - auch ein idealer Einstellungstest sein. Wo sonst hat man die Gelegenheit, einen potentiellen Arbeitnehmer so günstig in verschiedenen Arbeitssituationen zu begutachten? Sehr häufig werden Praktikanten im Anschluss an das Praktikum in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Aber darüber brauchen wir uns als Schule keine Gedanken zu machen, da unsere Schüler nach ihrer Ausbildung eigentlich immer alle eine Stelle bekommen.