Trainingsfirma

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Allgemeines

Die Betriebswirtschaftslehre bildet von Beginn an neben den IT-technisch orientierten Ausbildungsinhalten ein wesentliches Standbein der Ausbildung an den EDV-Schulen. Lange vor der Konkretisierung entsprechender Lehrpläne zu den neuen IT-Berufen wurde in der Berufsfachschule das betriebswirtschaftliche Basiswissen der 10. Jahrgangsstufe in den weiterführenden Jahrgängen vertieft und anhand eigenständig einzurichtender Geschäftsprozesse konkretisiert.

Die Umsetzung dieses Konzepts geschieht auch ganz entscheidend über das Instrumentarium einer Trainingsfirma. Ursprünglich für die Datenverarbeitungskaufleute konzipiert, haben die Schüler in der Trainingsfirma die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Bedingungen, wie sie in einem echten Produktionsbetrieb vorliegen, anzuwenden. Vorbild für die Trainingsfirma ist hierbei die Patenfirma Kermi GmbH in Plattling, die mit ihrem Produktportfolio Duschkabinen und Heizkörper auch die elementaren Geschäftsfelder der Trainingsfirma (Thermi Industries) darstellt. Die Integration der einzelnen Fachbereiche und Module (Vertrieb, Produktion, Einkauf, Fibu usw. ) steht im Vordergrund des praktischen Handelns der Infomatikkaufleute. Die Umsetzung dieser betriebswirtschaftlichen Prozesse erfolgt seit Beginn der Schule mithilfe eines modernen ERP-Systems. Dabei lernen die Teilnehmer, alle wesentlichen Geschäftsprozesse eigenverantwortlich umzusetzen. Einer der entscheidenden Vorteile gegenüber der dualen Ausbildung.

Die Förderung des unternehmerischen Denkens, das Erkennen von Wirtschaftszusammenhängen, der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und die Anwendung von Fremdsprachen sind – auf Basis der modernen Informationstechnologien – pädagogische Schwerpunkte in der Übungsfirma, wobei sich die traditionelle Rolle der Lehrer/innen zum Betreuer oder Coach und die der Schüler/innen zu Mitarbeiter/innen der Firma ändert.

 

THERMI soft

Nachdem sich die Idee bewährt hatte, wurde (ca.) im Jahr 2003 begonnen, auch für die Fachinformatiker einen Trainingsfirmenbereich zu etablieren und in die bestehende Firma zu integrieren. Thermi Soft, so der Name des neuen Geschäftsfeldes, simuliert einen Softwarebetrieb, der sich mit der Programmierung eines inzwischen größeren Webshops beschäftigt. Diese Trainingsfirma ist das Tochterunternehmen der THERMI GmbH, aber ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Diese Firma tritt nach außen auch nicht selbstständig auf.

Die Idee der Trainingsfirma ist für beide Ausbildungsberufe inzwischen zu einem fundamentalen Baustein geworden und aus unserer Schullandschaft nicht wegzudenken.

Von der Personalabteilung bis zum Marketing – jede einzelne Übungsfirma ist das perfekte Abbild eines Unternehmens und seiner kaufmännischen Abteilungen. Durch den Zusammenschluss im Deutschen ÜbungsFirmenRing ist ein Netzwerk entstanden, mit dem wir eine exakte Simulation des tatsächlichen Wirtschaftsgeschehens geschaffen haben.

 

Der Übungsfirmenmarkt

Im Markt der Übungsfirmen sind alle Branchen vertreten: Speditionen, Modehäuser und Baumärkte zählen dazu wie Computerhersteller, Chemieunternehmen oder Autohändler. Knotenpunkt des Übungsfirmenrings ist die Zentralstelle Essen. Dort befinden sich die Bank, das Finanz- und Zollamt sowie die Krankenkassen der virtuellen Übungsfirmen-Welt. Alle Geschäftsprozesse werden – ganz im Sinne des E-Business – über moderne Software abgewickelt.

Der Deutsche ÜbungsFirmenRing ist Mitglied im Europen e.V., dem etwa 6000 Übungsfirmen weltweit angehören. Das gibt unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Chance, Erfahrungen im internationalen Handel zu sammeln.

 

Vorteile der Übungsfirma

Die wesentlichen Vorteile einer Übungsfirma auf einen Blick :

  • In der Übungsfirma werden Fertigkeiten erlernt, trainiert und gefestigt. Die unvorhersehbaren und vielfältigen Rückwirkungen des Übungsfirmenmarktes erzwingen laufende Anwendung und Anpassung des Gelernten.
  • Die Übungsfirma ist - im Gegensatz zu anderen Formen handlungsorientierter Ausbildung - kein geschützter Lernraum. Die Innen- und Außenkonflikte entsprechen der Realität. Dadurch werden die eigenen Handlungen als real erlebt.
  • In einer Übungsfirma wird wirtschaftlich gearbeitet. Die Atmosphäre entspricht der eines Unternehmens und nicht der eines Klassenraums. In der Übungsfirma identifiziert man sich als Mitarbeiter des Unternehmens. Die im Markt agierende Übungsfirma ermöglicht ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Erfahrung mit realem Zahlungsverkehr, mit realem Finanz- und Steuerwesen, mit realen Sozialversicherungsmeldungen, aber genauso mit der realen Anwendung von Telekommunikationsdiensten (elektronische Post, Onlinebanking, Datenbanken, Internet).
  • Die Teilnahme an einer jährlich stattfindenden Messe für Übungsfirmen und die damit für die Teilnehmer verbundenen Belastungen lassen die Schüler Herausforderungen erfahren, denen sie sich gerne stellen. So führt der Zwang zur Überwindung eigener Hemmungen oder die fremdsprachlichen Herausforderungen unzweifelhaft zu einer mit diesem Erleben verbundenen Steigerung der Motivation.
  • Die praktische Erfahrung internationaler Geschäftsbeziehungen mit den Besonderheiten von Sprache, Vertragsmodalitäten, Zahlungsverkehr, Transport, Versicherung und Rechtsvorschriften sowie einer nur in dieser Form erwerbbaren Sozialkompetenz (Eingehen auf fremde Mentalität, fremde Sprache, fremde Verhaltensweisen).
  • In der Übungsfirma wird das Zusammenwirken verschiedener Funktionsbereiche, die gleichzeitig und an gleichem Ort agieren, erlebt und begriffen.
  • Die Arbeit im organisatorischen Umfeld eines realen Arbeitsplatzes, der aussieht wie ein realer Arbeitsplatz, eine eigene Vorgeschichte hat, entspricht der realen Arbeit im Betrieb.

 

Der Übungsfirmen Markt

Neben den etwa 580 Übungsfirmen in Deutschland beteiligen sich circa 6000 weitere Übungsfirmen vorwiegend in Europa, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt am Handel im Übungsfirmenmarkt. Damit steht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein in dieser Form einmaliges Lern- und Erfahrungsfeld zur Verfügung :

  • Umgang mit fremdsprachlichen Geschäftsvorgängen
  • Beachtung nationaler und internationaler Rechts- und Handelsvorschriften
  • Verschiebung der kaufmännischen Sichtweise von nationalem zu internationalem Handeln
  • Einsicht in die Bedeutung von Sprachkenntnissen, Stärkung der Motivation diese zu erwerben und anzuwenden.
  • Beachtung von Zoll-, Einfuhr- und Ausfuhrvorschriften
  • Beteiligung am internationalen Zahlungsverkehr

 

Internationale Zusammenarbeit

Zur Koordination und Qualitätssicherung wurde EUROPEN - Worldwide Practice Enterprise Network- gegründet, ein Zusammenschluss der nationalen Übungsfirmenzentralstellen. EUROPEN koordiniert u.a. den internationalen Zahlungsverkehr, gemeinsame Datenbanken und den Austausch elektronischer Post. Durch die Mitgliedschaft der deutschen Zentralstelle eröffnen sich den angeschlossenen Übungsfirmen die vielfältigen Möglichkeiten des internationalen Übungsfirmenmarktes.

 

Qualitätssicherung

Die Qualität unserer Übungsfirmenarbeit wird laufend durch die Zentralstelle der deutschen Übungsfirmen in Essen kontrolliert und bei erfolgreichem Bestehen der Prüfungen mit dem Qualitätssiegel belohnt.

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Jahresabschluss

Die Trainingsfirmenarbeit endet in der Abschlussklasse BFS12a regelmäßig mit der Erstellung des Jahresabschlusses der THERMI GmbH. Dabei wird ein professionelles Berichtswesen nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften erstellt. Nicht nur Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, sondern auch Kennzahlen, ein Erläuterungsbericht und Statistiken sind Bestandteil des Geschäftsberichtes. Damit wird sichergestellt, dass die Arbeit in der Trainingsfirma so nah wie irgend möglich der Realität entspricht. Dabei wird vor allem Wert auf stets aktuelle rechtliche Gegebenheiten und Vorschriften gelegt. Damit sind unsere Schüler optimal auf die Berufspraxis vorbereitet.