Einen Schritt voraus

Die Plattlinger EDV-Schule kommt gut durch die Krise:
Über motivierte Schüler und Lehrer am Limit


Mit freundlicher Genehmigung der Deggendorfer Zeitung PNP von Alexander Kriegl

thumb griebl coronaPlattling. „Das macht unbandig viel Spaß“, sagt Prof. Dr. Martin Griebl und lehnt sich in seinem gepolsterten Chefsessel zurück. Gerade hat der Leiter der Plattlinger EDV-Schule noch digital unterrichtet, jetzt sitzt er ein Stockwerk höher in seinem Büro. Was Griebl so viel Freude bereitet, ist die Tatsache, dass seine Schule so gut durch die Corona-Zeit kommt. Auch zu Hochzeiten der Pandemie konnte jede Unterrichtsstunde stattfinden. Ein Wert, mit dem Griebl seine Schule weit vor den Pflichtschulen sieht.

 

Lehrer sind auf Schüler angewiesen
Das Virus zwingt Schulen aller Art, Unterricht in digitaler Form anzubieten. Kaum eine andere Schulart ist für den Umstieg auf die digitale Lehre so gut aufgestellt wie die EDV-Schule. „Alle Schüler haben logischerweise ein Grundinteresse für Technik“, sagt Martin Griebl. Das mache vieles einfacher. Die Mehrheit der Schüler könne sich neue Techniken sehr schnell aneignen.

Sie tun das, weil sie daran interessiert sind – aber auch, weil sie müssen. „Am ersten Tag habe ich den Schülern gesagt, dass sie etwas für ihren Abschluss tun müssen“, erzählt Griebl. Auf die EDV-Schule geht man mit dem Wunsch, später als Informatiker zu arbeiten. Diese Freiwilligkeit, die eine Berufsschule mit sich bringt, sieht Griebl als großen Vorteil in Zeiten des Homeschooling.

Dabei sind Lehrer und Schüler über ein Videokonferenzsystem miteinander verbunden, sie können das Gegenüber aber nur hören – die Kameras sind deaktiviert. Umso mehr sind die Lehrer auf die Schüler angewiesen: Wer den Stoff nicht versteht, muss sich eigenständig melden. Ob ein Schüler nur vorgibt, etwas verstanden zu haben, das kann der Lehrer nicht so einfach feststellen wie im Präsenzunterricht. Doch Griebl hat während des Corona-Unterrichts bemerkt, dass der Großteil der Schüler sehr gut mitarbeite.

In seiner Schule konnte Griebl schon zu Beginn der Pandemie ein „Wir-schaffen-das-Gefühl“ ausmachen, wie er erzählt. „Auch wenn die Phrase etwas abgedroschen klingt“, ergänzt er mit einem Lächeln. Lehrer und Schüler hätten zusammengehalten. Finden die Technik-Experten auf Dauer Gefallen am digitalen Unterricht? Jein. Einerseits sei es eine „schöne Erfahrung“ gewesen, sagt Martin Griebl. „Aber das digitale Lernen schlägt nie den Präsenzunterricht.“ Er denkt dabei vor allem an seine Lehrer – viele von ihnen hatten mit dem Corona-Homeschooling zu kämpfen, wie eine schulinterne Umfrage ergab. Rund um das Osterfest hat Schulleiter Griebl das Kollegium befragt. Er wollte wissen, wie gut die Lehrer mit dem Unterricht vorankommen und wie sehr sie ausgelastet sind. Das Ergebnis: Gemessen an
der Zeit vor Corona lag das Unterrichtstempo im Schnitt bei 80 Prozent. „Ein guter Wert“, meint der Schulleiter. Was ihm aber mehr Sorgen bereitete: Danach gefragt, wie stark die Lehrer ihre Belastung im Vergleich zum Normalunterricht einstufen, gaben sie im Mittel 120 Prozent an. Ein Lehrer war sogar mit 200 Prozent dabei.

„Zu dem habe ich dann gesagt, er muss kürzer treten, das kann so nicht sein“, erinnert sich Griebl. Insgesamt hat der Schulleiter großen Respekt davor, wie sein Kollegium die Krisenzeit durchsteht. „Alle sind hochmotiviert.“ Auch die Arbeitszeiten der Lehrkräfte haben sich verändert. Nicht selten wird Unterricht von acht Uhr morgens auf 16 Uhr nachmittags verlegt. „Da sind dann auch alle wach“, merkt Griebl grinsend an. Diesen Schritt auf die Schüler zuzugehen, stärke den Zusammenhalt. Gleichwohl müssen die Lehrkräfte klare Grenzen ziehen: „Sie müssen festlegen, wann sie erreichbar sind und wann nicht – sonst können sie nicht abschalten.“

 

Anwesenheit der Schüler wird kontrolliert
Stichwort Erreichbarkeit: Der Großteil der Schüler ist gut mit Videotelefonie und digitaler Kommunikation vertraut und nimmt problemlos an den digitalen Unterrichtsstunden teil. Doch es gibt auch Einzelfälle, denen eine lahme Internetleitung in die Quere kommt. „Meistens kommt das vor, wenn ein Schüler auf dem Land wohnt.“ Eine schwache Verbindung ist die Folge. Mit betroffenen Schülern kann der Lehrer zwar sprechen, aber eine zeitgleiche Übermittlung von Bildmaterial, wie etwa einer digitalen Tafelaufschrift im Livestream, ist kaum möglich. Dann weichen die Lehrer auf Datenverkehr per E-Mail aus.

„Das ist zwar umständlich, aber es geht“, sagt Schulleiter Martin Griebl. Für ihn steht nun am Nachmittag erneut digitaler Unterricht auf dem Plan, er geht wieder ein Stockwerk tiefer. Dann melden sich die Schüler wieder digital an und erscheinen mit ihrem Namen auf dem Bildschirm. Doch wie überprüft Griebl, dass die Schüler dann auch tatsächlich da bleiben? Und nicht Kaffeetrinken gehen? Der Schulleiter hat da eine ganz einfache Taktik: „Ich rufe einfach wahllos Leute auf.“ Die Schüler kommen dem Lehrer also nicht aus – auch nicht, wenn der Kilometer weit entfernt vor einem Bildschirm sitzt.

griebl corona

Digitaler Unterricht fällt den Lehrern und Schülern an der EDV-Schule nicht schwer: Schulleiter Prof. Dr. Griebl skizziert ein Schema mit einem Stift auf ein Dusplay. Diese digitale Tafelanschrift können die Schüler auf Ihrem Computer in Echtzeit sehen. Sie sind zudem über ein Videokonferenzprogramm, zu sehen an den Kacheln auf dem zweiten Bildschirm, mit dem Schulleiter verbunden und können mit ihm sprechen. Foto Kriegl

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