Bauausschuss des Deggendorfer Kreistags besichtigt Plattlinger Schulen

Mit freundlicher Genehmigung der Passauer Neuen Presse.

von Diana Millgramm

Vom KI-Server in der EDV-Schule bis zur Orgel in der Berufsfachschule für Musik: Wie unterschiedlich die Anforderungen an moderne Schulgebäude und ihre Ausstattung sind, davon machte sich der Bauausschuss des Kreistags am Freitag selbst ein Bild. Nach seiner Sitzung in den EDV-Schulen ging es für die Kreisräte auf Besichtigungstour durch verschiedene Bildungseinrichtungen in Plattling (Landkreis Deggendorf). Landrat Bernd Sibler nutzte den Rundgang zugleich für eine Bilanz der Schulbauprojekte des Landkreises – und dafür zu zeigen, was hinter den Investitionen steckt.

Sibler erinnerte an die zahlreichen Maßnahmen der vergangenen Jahre. Das größte Projekt sei das neue Schulzentrum mit seiner Sechsfachturnhalle. Auch das Sonderpädagogische Förderzentrum in Osterhofen wurde neu gebaut. Dass sich aus einer zunächst vergleichsweise kleinen Idee ein größeres Projekt entwickeln kann, zeigte Sibler am Beispiel der EDV-Schulen. Eigentlich habe man auf deren Dach lediglich eine Photovoltaikanlage installieren wollen. Bei den Untersuchungen habe sich jedoch herausgestellt, dass das Dach dafür nicht geeignet war und zudem an mehreren Stellen Wasser eindrang. Also wurde zunächst das Dach erneuert, ehe im Frühjahr die PV-Anlage fertiggestellt wurde.

Üblicherweise, erklärte Martin Bügler, Sachgebietsleiter Hochbau am Landratsamt, würde man eine solche Anlage zunächst etwa ein Jahr lang betreiben und anschließend prüfen, ob und in welcher Größe sich ein Batteriespeicher lohnt. In diesem Fall entschied sich der Landkreis gleich für die Speicherlösung mit der Option auf Erweiterung.

Datenbanken, Websites und künstliche Intelligenz

Von Datenbanken und Websites bis hin zu Künstlicher Intelligenz reicht das Spektrum der EDV-Schulen. Die Plattlinger Einrichtung gehört zu den bayerischen Fachschulen, die KI als Schwerpunkt anbieten. Um die Zukunft seiner Schule mache er sich deshalb keine Sorgen, sagte Schulleiter Martin Griebl. Schließlich würden dort die Fachkräfte ausgebildet, die die Wirtschaft dringend brauche. Die Absolventen seien bei Unternehmen sehr gefragt, weil sie ein außergewöhnlich breites Wissen mitbrächten.

Sibler nahm aus der Vorstellung zunächst mit, dass der Landkreis offenbar einen „absolut glücklichen Schulleiter“ habe. Ganz ohne Wünsche sei Griebl allerdings doch nicht, stellte der dann fest. Ein Gebäudeteil besitzt eine große Glasfront. Im Sommer werde der Unterricht dort schnell zur Herausforderung. Eine Kühlung der Räume wäre deshalb durchaus willkommen.

Technische Anforderungen verändern sich ständig

Technisch muss die Schule ohnehin ständig am Ball bleiben. Mit Rechnern, die viele Jahre unverändert stehen bleiben, lässt sich eine moderne Informatikausbildung nicht betreiben. Rund sieben Jahre beträgt nach Griebls Angaben ein kompletter Erneuerungszyklus. Die Geräte werden dabei nicht auf einmal, sondern laufend und abschnittsweise ersetzt. Manche Anwendungen funktionieren noch auf älteren Rechnern, andere benötigen aktuelle Hardware.

Gebäude und den regulären Schulbetrieb finanziert der Landkreis. Für Dinge, mit denen Neues ausprobiert oder die Motivation der Schüler zusätzlich gefördert werden soll, springt dagegen auch der Förderverein ein. Dazu gehört beispielsweise ein eigener KI-Server. „Für alles, was nice to have ist“, beschrieb Griebl dessen Aufgabe.

Teuerste Schule im Landkreis mit besonderer Stellung

„Aus Sicht des Landkreises sind die EDV-Schulen die mit Abstand teuersten Schulen, die wir betreiben“, sagte Sibler. Gleichzeitig nehmen sie eine besondere Stellung ein: Sie sind die einzige kommunale EDV-Schule in Niederbayern und ziehen deshalb Schüler weit über die Landkreisgrenzen hinaus an. Die rasante technische Entwicklung stellt dabei auch die Lehrkräfte vor besondere Anforderungen. Einen bis ins Detail starren Lehrplan könne es in diesem Bereich kaum geben, erklärte Griebl. Vielmehr gebe es einen Rahmen, innerhalb dessen immer wieder auf neue Entwicklungen reagiert werden müsse. Dafür brauche es Lehrkräfte, die selbst für die Materie brennen.

Von der EDV ging es für den Bauausschuss anschließend weiter in die Werkstraße. Dort teilen sich die Fachakademie für Sozialpädagogik und die Berufsfachschule für Musik ein Gebäude. Rund zehn Millionen Euro kostete der Neubau. Für den Landkreis war das Projekt auch deshalb ungewöhnlich, weil er zunächst das Grundstück erwerben musste. Heute sieht Sibler das Areal als gelungenes Beispiel der Plattlinger Schulentwicklung. Entlang der Werkstraße sei inzwischen eine „ganz hervorragende Campusstruktur“ entstanden.

Fachkräfte, die dringend gesucht werden

Roswitha Artmeier, Leiterin der Berufsfachschule für Musik, zeigte sich mit dem gemeinsamen Gebäude sehr zufrieden. „Wir sind wie eine kleine Hochschule“, beschrieb sie die Einrichtung. Die Schüler verbringen dort in der Regel ein bis zwei Jahre. Ein Teil von ihnen geht anschließend über ein Studium den Weg zum Musiklehrer, andere entscheiden sich für ganz unterschiedliche Berufe rund um die Musik. Hinzu kommt die Möglichkeit eines pädagogischen Aufbaujahres als drittes Jahr.

Auch an der Fachakademie für Sozialpädagogik werden Fachkräfte ausgebildet, die dringend gesucht werden. Leiterin Lisa Frech berichtete von einer konstant guten Auslastung. Drei bis vier Jahre dauert dort der klassische Ausbildungsweg. Unter den mehr als 70 Fachakademien für Sozialpädagogik in Bayern seien nur sechs in kommunaler Trägerschaft.

„Wir haben viel richtig gemacht“

Seit 2019 sind beide Einrichtungen gemeinsam in dem Gebäude untergebracht. Die Zusammenarbeit habe sich bewährt, stellte Frech fest. Die beiden Schulfamilien passten gut zusammen: Die angehenden Erzieher seien sehr sozial eingestellt, die Musikschüler wiederum sehr weltoffen.

Für Sibler sind all diese Schulen nicht nur Bauprojekte und große Posten im Kreishaushalt. Sie seien zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region, weil dort die Fachkräfte von morgen ausgebildet werden. Wenn voraussichtlich 2029 oder 2030 alle großen Sanierungs-, Umbau- und Neubauprojekte abgeschlossen seien, werde der Landkreis rund 250 Millionen Euro in seine Schullandschaft investiert haben. Zu heutigen Preisen, rechnete Sibler vor, entspräche das einem Volumen von etwa 450 bis 500 Millionen Euro. „Wir haben also viel richtig gemacht.“

Fotos: Diana Millgramm 
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